ZEIT für die Schule
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Der Frau, die 1847 am Rande der Schwäbischen Alb geboren wird, steht ein Dasein als Anhängsel im Elternhaus bevor. Denn sie ist gelähmt, sie sitzt im Rollstuhl. Noch dazu haben Frauen in dieser Zeit ohnehin wenig zu entscheiden, was ihre eigenen Pläne angeht.

Doch Margarete Steiff ergibt sich nicht ihrem vorgezeichneten Schicksal, sondern ergreift die Initiative und entwickelt eine Geschäfts­idee, die ihrer Zeit voraus ist. Dem damals üblichen Modell in der Kinder­erziehung – Gehorsam und Bestrafung – setzt sie eine Alternative entgegen. Kindern sollen spielen und Freude haben. Steiffs passendes Produkt: der Teddybär. Kuscheltier statt Erziehungs­drill. Der Rest ist Geschichte.

Die „Bärenmutter“ würde man heute „Entrepreneurin“ nennen. Solche Menschen haben ein besonderes Mindset: Sie schrecken vor Ungewissheiten nicht zurück, sie nehmen Risiken in Kauf (indem sie etwa ihr Privatvermögen aufs Spiel setzen) – und sie haben ein Gespür für Innovationen.

Vom Fortschritt profitiert die Gesellschaft

Mit ihren Produkten oder Dienstleistungen krempeln Entrepreneurinnen und Entrepreneure ganze Märkte um. Sie sorgen für ein neues Konsum­verhalten und beeinflussen letztendlich sogar Wirtschafts­strukturen – Stichwort „Strukturwandel“. Weil wir zum Beispiel unsere Energie heute anders als vor 150 Jahren gewinnen, können viele Menschen in den Industriestaaten in sauberen und sicheren Büros arbeiten – und nicht mehr an Orten, die (in vielen Teilen der Welt) gefährlich sind, wie zum Beispiel im Kohlebergwerk.

Durch Innovationen verbessert sich unsere Lebensqualität nachhaltig. Innovationen kommen übrigens nicht zwangs­läufig nur von Entrepreneurinnen und Entrepreneuren, sondern zum Beispiel auch von Angestellten, die Initiative zeigen, Verantwortung übernehmen und in Lösungen denken. Dieses Mindset ist gerade in einer Welt wichtig, die immer stärker von Unsicherheit und Volatilität geprägt ist.

Innovationen sind einer der Gründe, warum Entrepreneurinnen und Entrepreneure für die Gesellschaft so essenziell sind. Außerdem: Sie sorgen für Arbeits­plätze und zahlen Steuern auf ihre Gewinne. Steiff zum Beispiel beschäftigt 141 Jahre nach Gründung noch immer Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Stamm­sitz. Dazu kommt: Das Modell des Sozialen Unternehmertums setzt sich ganz bewusst dafür ein, mit unternehmerischen Mitteln einen gesellschaftlichen Nutzen zu stiften. Durch Stipendien oder Anschub­finanzierungen versucht die Politik daher, gute Rahmen­bedingungen zu schaffen, damit Frauen und Männer Entrepreneurinnen und Entrepreneure werden.

Im Fall von Margarete Steiff zeigt sich auch, welche Rolle Wettbewerb bei Innovationen spielt. Denn weil Kunden die freie Wahl zwischen verschiedenen Anbietern haben, zwingt die Konkurrenz­situation die Unternehmen dazu, ihr Angebot immer wieder zu verbessern. Steiffs Teddybär setzte sich damals gegen das Konkurrenz­produkt Zinn­soldat durch. Heute müssen deutsche Unternehmen zum Beispiel Antworten auf die günstige Konkurrenz aus Asien finden und ihre Produkte immer wieder attraktiver machen.

„Schöpferische Zerstörung“ sorgt für Innovationen

Auch die Unternehmen selbst müssen sich wegen des Wettbewerbsdrucks immer wieder weiterentwickeln und teils neu erfinden. Nokia zum Beispiel wandelte sich von einem Holz­stoff­hersteller über einen Mischkonzern zu einem Telekommunikations­anbieter, der seine Markt­führerschaft bei Handys verlor und sich heute auf Netz­werk­technik und Software konzentriert.

Ökonomen sprechen hier von der „schöpferischen Zerstörung“. Gemeint ist damit, dass Unternehmerinnen und Unternehmer als treibende Kräfte in einem Wirtschafts­system kein „business as usual“ machen können, sondern Produkte, Dienst­leistungen oder Prozesse immer wieder neu denken müssen – zum Beispiel weil sie Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, die es vor zehn oder zwanzig Jahren schlicht noch nicht gab.

Infolge dieser schöpferischen, unternehmerischen Innovationen wandeln sich die Abläufe grundsätzlich, oder es entsteht sogar etwas völlig Neues. Denn mit einem Mal ist es möglich, etwas Besseres als das Althergebrachte anzubieten: zum Beispiel weil es preisgünstiger ist, leichter, umwelt­freundlicher oder auch leiser. Der Erste, der diese ständige Neuerfindung beschrieben hat, war der Österreicher Joseph Schumpeter, einer der einfluss­reichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts.

Und wo steht Deutschland heute, was seine Gründerinnen und Gründer angeht? Positiv ist: Laut dem jüngsten Global Entrepreneurship Monitor ist die Quote der Erwachsenen im Erwerbsalter, die vor Kurzem gegründet haben oder gerade dabei sind, mit 7,6 Prozent so hoch wie nie seit Beginn der Erhebung vor 20 Jahren. Allerdings: Von 15 Ländern mit einem vergleichbaren Wohlstand landet die Bundesrepublik gerade mal auf dem 12. Platz – deutlich abgeschlagen hinter Ländern wie Südkorea (14,9 Prozent), USA (17,4) oder Kanada (18,2).

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