ZEIT für die Schule: Herr Weber, was sehen Zuschauerinnen und Zuschauer, wenn sie eine Show der Physikanten besuchen?
Marcus Weber: Zum Beispiel, wie man große Luftsäcke mit nur einem Atemzug füllen kann. Mit der falschen Technik pustet man daran unter Umständen minutenlang. Wir zeigen den Trick, erklären die Physik dahinter und ordnen das Phänomen ein. Effizienz spielt schließlich auch in größeren Fragen eine Rolle, etwa bei Energie und Ressourcen. Uns geht es darum, mit Experimenten Begeisterung zu wecken und die Inhalte verständlich zu vermitteln.
Einer Ihrer Bühnen-Highlights ist der sogenannte Feuertornado. Was hat es damit auf sich?
Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, war ich selbst verblüfft. Wir zeigen ihn auch in Grundschulshows, denn das Prinzip ist einfach: Ein gelochter Schirmständer steht auf einem Plattenspieler, am Boden brennt eine kleine Flamme in einer Schale. Sobald sich das Konstrukt dreht, wird aus der Flamme eine Feuersäule, die fast einen Meter hoch werden kann.
Das klingt spektakulär. Was steckt hinter diesem Phänomen?
Warme Gase steigen auf und ziehen Luft von außen nach. Strömt diese Luft durch die Öffnungen in den sich drehenden Zylinder, gerät sie in Rotation. Je weiter sie nach innen kommt, desto schneller dreht sie sich. Das lässt sich gut mit einer Pirouette vergleichen: Wer die Arme anzieht, rotiert schneller. So entsteht der Feuertornado. In weiterführenden Schulen lassen wir die Flammen, wenn die Räumlichkeiten es erlauben, sogar bis zu drei Meter hoch werden.
Marcus Weber (55) ist Diplom-Physiker und Gründer der „Physikanten“. Seit 2000 entwickelt und präsentiert er mit seinem Team Wissenschaftsshows für große Bühnen, Fernsehsendungen und Schulen. Die Mischung aus Live-Experimenten, Humor und altersgerechten Erklärungen soll Kinder und Erwachsene gleichermaßen für naturwissenschaftliche Phänomene begeistern.
Woran merken Sie, dass ein Experiment Schülerinnen und Schüler wirklich erreicht?
Bei einem Auftritt vor Fünftklässlerinnen und Fünftklässlern sind neulich mehrere Kinder aufgestanden und haben mit den Armen die Form der Flammen nachgeahmt. Man hat gemerkt, wie stark sie das beeindruckt hat. Unsere Shows sind bewusst so angelegt, dass sie nicht nur etwas erklären, sondern auch unterhalten. Wir arbeiten mit viel Tempo und Humor, gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler.
Was erwarten Lehrkräfte von Ihnen? Vor allem Unterhaltung oder einen echten fachlichen Impuls?
Lehrkräfte erwarten von uns beides: eine Show, die ihre Klassen wirklich mitreißt, und Inhalte, auf die sie im Unterricht zurückkommen können. Wir bekommen sehr gute Rückmeldungen. Außerdem geben wir Lehrerfortbildungen, die von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung gefördert werden. Dort zeigen wir an einem Tag viele Demonstrationsexperimente und besprechen, wie sie sich im Unterricht einsetzen lassen. Das wird sehr gut angenommen. Oft fragen uns Lehrkräfte auch, wie einzelne Experimente funktionieren – da helfen wir gerne weiter.
Welche Experimente zünden bei Kindern und Jugendlichen sofort?
Alles, was visuell eindrucksvoll ist, kommt gut an. Aber auch überraschende akustische Effekte funktionieren. In einem Experiment leiten wir etwa ein Signal durch eine Kette von Schülerinnen und Schülern: Wenn sich alle an den Händen halten, hört man Musik über einen Verstärker. Sobald jemand loslässt, verstummt sie. Das ist für viele im ersten Moment verblüffend.
Wo endet Show und wo beginnt das Lernen?
Ich habe Physikdidaktik studiert und weiß, dass es Zeit braucht, physikalische Prinzipien wirklich zu verstehen. Neue Denkstrukturen entstehen nicht in einer Show und auch nicht in einer einzelnen Unterrichtsstunde. Aber die Lehrforschung zeigt, wie wichtig Emotionen und die Rolle der Lehrkraft sind. Deshalb versuchen wir, Phänomene so eindrucksvoll wie möglich zu präsentieren. An besondere Erlebnisse erinnert man sich lange. Wir wollen Leuchttürme in die Köpfe setzen.
Gibt es unterschiedliche Themen für unterschiedliche Klassenstufen?
Ja. Für Grundschulen schauen wir uns die Lehrpläne genau an, auch wenn es dort weniger feste Vorgaben gibt als in weiterführenden Schulen. Mit Zehnjährigen über Quantenmechanik zu sprechen, wäre wenig sinnvoll. Die Experimente verändern wir gar nicht so stark, aber wir passen Ansprache und Erklärung an. Jüngere Kinder bringen anderes Vorwissen mit, und auch Humor funktioniert je nach Alter unterschiedlich. Grundsätzlich bieten wir für alle Altersgruppen passende Formate an.
Ist es möglich, die Shows an einer Schule auf den aktuellen Unterrichtsstoff abzustimmen?
Ja, unbedingt. Wir entwickeln mit Schulen auch individuelle Konzepte. Im Grundschulbereich haben wir vier Themen: Elemente, Bewegung, Feuer und Energie. Bei Projektwochen werden unsere Shows oft an passende Schwerpunkte angebunden. Für weiterführende Schulen haben wir zum Beispiel die Show „Watt’s up“, in der wir die Prinzipien der Energiewende erklären. Das ist mir persönlich besonders wichtig.