1. „Leg dein Geld aufs Sparbuch“
Ein Satz, den viele Jugendliche von Großeltern oder Eltern kennen. Früher war das tatsächlich ein guter Tipp: Anfang der 1970er-Jahre gab es in Deutschland fast neun Prozent Jahreszinsen, Mitte der 1990er-Jahre immerhin rund vier Prozent. Wer damals beispielsweise bei null startete und jeden Monat 50 Euro zurücklegte, hatte nach drei Jahren 1.800 Euro eingezahlt. Je nach Anlageform konnte der Wertzuwachs zusätzlich gut 260 Euro betragen.
Heute sieht es anders aus: Die Zinsen für Sparbücher liegen unter einem Prozent. Bei einem Zinssatz von einem Prozent wären das nach einem Jahr lediglich rund drei Euro und nach drei Jahren gerade einmal 28 Euro zusätzlich – die Inflation ist dabei noch nicht berücksichtigt. Vermögen aufbauen mit dem Sparbuch? Diese Zeiten sind vorbei. Trotzdem kann ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto heute noch sinnvoll sein, zum Beispiel für einen sicheren Notgroschen oder eine Mietkaution.
2. „Sparen kann man nur, wenn man genug Geld hat“
Keine Frage: Geld zurückzulegen, fällt leichter, wenn das Budget nicht komplett für den Alltag draufgeht. Trotzdem kann sich sparen auch für kleine Beträge lohnen – vor allem, wenn man früh anfängt. Der Zinseszinseffekt macht’s möglich: Er sorgt dafür, dass sich angelegtes Geld mit der Zeit immer schneller vermehrt. Denn Zinsen oder Gewinne bringen selbst wieder Zinsen, sobald sie wieder angelegt werden.
Statt dem Sparbuch gibt es heute attraktivere Optionen mit besseren Renditen: etwa Tagesgeldkonten mit variablen Zinsen oder Festgeldkonten mit festen Zinsen. ETFs – börsengehandelte Indexfonds – erzielten in der Vergangenheit im Schnitt etwa sieben bis acht Prozent Rendite pro Jahr, beispielsweise der MSCI World. Nach Abzug von Kosten und Steuern fällt die tatsächliche Nettorendite jedoch meist niedriger aus.
3. „Kreditkarten machen nur Schulden“
Der Tipp ist grundsätzlich nicht falsch: Mit einer Kreditkarte gibt man Geld aus, das man gerade nicht hat. Wer damit zahlt, bekommt einen kurzfristigen, zinsfreien Kredit, der in der Regel am Monatsende fällig ist. Spätestens dann muss das Geld verfügbar sein. Genau hier liegt die Gefahr für Jugendliche: Eine Kreditkarte erfordert eine gewisse Verantwortung und vorausschauende Finanzplanung.
Gleichzeitig bietet sie Vorteile, die eine Girocard oft nicht hat: Viele Hotels verlangen eine Kreditkarte als Kaution, und auf Reisen ist sie weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert. Beim Online-Shopping zählt die Kreditkarte nach wie vor zu den sichersten und schnellsten Zahlungsmethoden – dank Betrugsschutz und Rückbuchungsoptionen. Debitkarten sind direkt mit dem Girokonto verbunden, und bei Betrug wird das Geld sofort abgebucht.
4. „Krypto ist die Zukunft“
In sozialen Medien schwärmen viele Finfluencerinnen, Finfluencer und „Crypto-Bros“ vom Potenzial von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Das Versprechen: Damit wirst du schnell reich, ohne etwas tun zu müssen. Tatsächlich hat sich der Bitcoin-Kurs in den letzten zwei Jahren etwa verdoppelt. Auch seriöse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Finanzexpertinnen und -experten sehen in Bitcoin eine wichtige Innovation und erkennen ihn als ein legitimes Finanzinstrument an.
Klar ist aber auch, dass Kryptowährungen extremen Schwankungen unterliegen und ein hohes Risiko bergen. Bitcoin, die weltweit führende Kryptowährung, verlor zwischen Anfang Oktober und Mitte November 2025 fast ein Drittel ihres Wertes. Dazu kommen zahllose unseriöse „Meme-Coins“, die auftauchen und schnell wieder verschwinden.
5. „Du brauchst keine Versicherung, wenn du jung bist“
Deutschland gilt nicht umsonst als Land der Überversicherten: Fast die Hälfte der Deutschen besitzen fünf oder mehr Versicherungen. Im internationalen Vergleich zahlen wir überdurchschnittlich viel für Versicherungsschutz. Für Jugendliche wirkt das schnell übertrieben – und manche grenzen sich bewusst von der älteren Generation ab, indem sie möglichst gar nichts für Versicherungen ausgeben. Verständlich, aber riskant.
Auch junge Menschen sollten existenzielle Risiken absichern und finanzielle Schäden im Alltag vermeiden. Neben der verpflichtenden Krankenversicherung ist eine Privathaftpflicht unverzichtbar, sobald man nicht mehr über die Familie versichert ist. Wer von zu Hause ausgezogen ist, sollte über eine Hausratversicherung nachdenken, die vor Schäden durch Brand, Einbruch und mehr schützt. Und eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann sinnvoll sein, besonders bei körperlich fordernden Berufen. Für junge Menschen sind die Beiträge hier noch vergleichsweise günstig.
„Money Morning – Smart mit Geld umgehen“
Jugendliche sollten Empfehlungen von Familie oder Influencerinnen und Influencern nicht unkritisch übernehmen. Lehrkräfte können einen wichtigen Beitrag leisten, um Grundlagen der Finanzbildung zu vermitteln und kritisches Denken zu fördern. Auf diese Weise lernen junge Menschen, seriöse Informationen von fragwürdigen zu unterscheiden – eine wichtige Voraussetzung für finanzielle Selbstständigkeit.
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