ZEIT für die Schule
Mitarbeiter der Tafel bei der Lebensmittelausgabe
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Ist das noch gut – oder kann das weg? Eine Frage, die wir uns häufig stellen und meist sehr schnell beantworten: im Zweifel lieber in den Müll. Dass zum Beispiel ein Brot eine ziemlich lange Reise hinter sich hat, ist uns dabei selten bewusst. Bis ein Laib in der Auslage liegt, hat sein Ausgangsprodukt, der Weizen, vier bis zehn Monate auf dem Feld gestanden, wurde geerntet, gereinigt, zu Mehl gemahlen und schließlich zu Brot verarbeitet.
„Viele Menschen unterschätzen, wie viel Arbeit und Ressourcen in Lebensmitteln stecken“, sagt Marco Schönberger, Gesamtleiter der Tafel Heilbronner Land. „Es ist extrem wichtig, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt.“ In Deutschland wirft jede Person im Durchschnitt 9,7 Kilogramm Brot und Backwaren pro Jahr weg. Das entspricht rund zehn Brotlaiben oder mehr als 150 einfachen Brötchen. Nimmt man alle Arten von Lebensmitteln zusammen, entstehen jährlich 74,5 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Person.

Millionen Tonnen werden entsorgt, ein kleiner Teil gerettet

Nicht nur in Privathaushalten werden Lebensmittel weggeworfen. Auch Supermärkte und Restaurants, Landwirtschaft und Industrie tragen dazu bei, dass in Deutschland mehr als 10 Millionen Tonnen Essen im Jahr entsorgt werden. Dazu gehören ungenießbare Bestandteile wie Schalen und Knochen, aber auch viele Produkte, die noch essbar gewesen wären – sogenannte vermeidbare Lebensmittelabfälle. Ein großer Teil landet im Abfall, ein weiterer wird als Futtermittel oder zur Energiegewinnung genutzt. Nur ein kleiner Anteil dieser Lebensmittel landet wieder auf unseren Tellern.

Die rund 980 Tafeln in Deutschland retten jährlich circa 260.000 Tonnen Lebensmittel und geben sie an Menschen weiter, die Unterstützung brauchen. Allein die Heilbronner Tafel unterstützt rund 6.500 Haushalte. Mit steigender Tendenz, so Schönberger: „Wir haben täglich mehr als zehn Personen, die neu zur Tafel kommen, weil sie das Geld für den normalen Einkauf nicht mehr haben.“ Die Preise bei der Tafel liegen im Schnitt bei sieben bis neun Prozent des normalen Ladenpreises.

Warum so viele Lebensmittel verloren gehen

Die Zahlen machen deutlich: Lebensmittelverschwendung ist kein Randproblem, sondern betrifft Millionen Menschen und enorme Ressourcen. Die Ursachen sind vielfältig. Schon bei der Ernte und Verarbeitung gehen Produkte verloren. Was nicht der Norm entspricht oder sich schlecht lagern lässt, wird aussortiert. In Kantinen, Schulmensen und Restaurants bleiben große Portionen und Buffets übrig. Händler produzieren Überschüsse, weil sie stets genug Ware vorhalten wollen, strenge Qualitätsnormen erfüllen müssen und die Nachfrage schwer vorhersagen können.

Den größten Anteil an vermeidbaren Lebensmittelabfällen haben jedoch die privaten Haushalte. Hier kommt vieles zusammen: zu große Einkäufe, zu volle Kochtöpfe, fehlende Resteverwertung, falsche Lagerung und Missverständnisse beim Mindesthaltbarkeitsdatum. „Bei vielen ist noch nicht durchgedrungen, was das Mindesthaltbarkeitsdatum eigentlich bedeutet“, sagt Marco Schönberger. „Es ist nur eine Empfehlung und heißt nicht, dass man ein Produkt wegwerfen muss, sobald es erreicht ist.“

Lebensmittelwertschätzung schützt auch den Planeten

Jedes unnötig weggeworfene Lebensmittel bedeutet verschwendete Ressourcen: Ackerflächen, Wasser, Energie, Kühlung und Transport sowie die Arbeit vieler Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und auch die Entsorgung der Produkte kostet wieder Energie: Wenn viele Lebensmittel im Abfall landen, entstehen unnötige Treibhausgasemissionen und zusätzlicher Flächenverbrauch.

Ein Ernährungssystem im Sinne der „Planetary Health Diet“ belastet Umwelt und Klima möglichst wenig. Die Tafeln zeigen im Kleinen, wie sich Wertschätzung von Lebensmitteln und Ressourcenschonung verbinden lassen. In Heilbronn werden pro Woche rund 45 Tonnen Lebensmittel gerettet. Davon werden rund 98 Prozent verwertet. Übrig bleibt nur etwa ein Kubikmeter Restmüll. Schönberger sagt: „Lebensmittel retten, Menschen helfen, Klima schützen – das gehört zusammen.“

Auf die eigenen Sinne vertrauen statt wegwerfen

Wer versteht, wie viel Arbeit und Ressourcen in Lebensmitteln stecken und welchen Wert sie gerade für ärmere Menschen haben, überlegt zweimal, ob etwas wegkann. Auf die eigenen Sinne zu vertrauen, sei wichtig, sagt Schönberger: „Schauen, riechen, probieren – das sollte man verinnerlichen.“ Ein Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, kann noch Tage, sogar Wochen gut sein.

Kleine Veränderungen im Alltag mit großer Wirkung

Ein paar einfache Regeln helfen, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden:

• Mahlzeiten für die Woche grob planen und einen Einkaufszettel schreiben, um effizient einzukaufen – und nicht hungrig einkaufen gehen

• Portionsgrößen anpassen und lieber etwas weniger kochen, statt dauerhaft zu viel. Oder bewusst mehr kochen und einfrieren

• Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse in kleineren Mengen kaufen und dafür häufiger

• Lebensmittel richtig lagern, um die Haltbarkeit zu verlängern. Kühlschränke haben unterschiedliche Zonen für unterschiedliche Produkte

• Das Mindesthaltbarkeitsdatum als grobe Orientierung nehmen und Produkte mit Augen, Nase und Geschmackssinn prüfen, bevor man sie wegwirft

• Reste kreativ verwerten, zum Beispiel als Suppen, Aufläufe, Pfannengerichte oder Smoothies

• Rettertüten und Foodsharing‑Angebote nutzen und Lebensmittel an Tafeln oder andere Einrichtungen spenden, wenn man mehr Vorräte hat, als man verbrauchen kann

Es sind kleine Schritte im Alltag, die in der Summe viel bewirken können. Wer sich mit Lebensmitteln beschäftigt und sie wertschätzt, schützt Umwelt und Klima – und entlastet dabei den eigenen Geldbeutel. Jede vermiedene Verschwendung spart Ressourcen und gibt guten Lebensmitteln eine zweite Chance. Ob in der eigenen Küche oder bei Menschen, die darauf angewiesen sind.