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Binnenmarkt vs. Weltmarkt: Einheit in der EU, Vielfalt bei der WTO

Handelsabkommen sollen den internationalen Handel erleichtern, zum Beispiel durch niedrigere Zölle oder gemeinsame Standards. Innerhalb der EU klappt das ziemlich reibungs­los: Deutschland tauscht mit EU-Partner­ländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Polen nicht nur Waren, Dienst­leistungen und Kapital zoll­frei aus, sondern profitiert auch von der freien Bewegung von Arbeits­kräften. Diese Frei­zügigkeit stärkt den EU-Binnen­markt, weil sie Unternehmen erlaubt, flexibel auf Fachkräfte aus anderen EU-Staaten zuzugreifen.

Anders sieht es bei Ländern wie den USA und China aus. Hier gelten die Regeln der Welt­handels­organisation (WTO). Zölle sind erlaubt, Standards oft unterschiedlich, und jedes Land verfolgt eigene wirtschaftliche Interessen. Wer hier gute Bedingungen will, muss diplomatisch geschickt verhandeln. Auch in der EU verfolgen die Mitglieds­staaten nationale Interessen, allerdings innerhalb eines gemeinsamen Rahmens.

Doch wer entscheidet eigentlich darüber, ob und wie Handels­abkommen zustande kommen? In Deutschland liegt die Verantwortung nicht allein bei der Bundes­regierung. Je nach Inhalt sind auch die EU-Kommission, das Europäische Parlament und der Bundestag beteiligt – besonders dann, wenn es um Regelungen geht, die Umwelt, soziale Standards oder den Verbraucher­schutz betreffen.

Deutschlands Export­strategie am Beispiel der USA

Deutschland verkauft regelmäßig mehr Waren in die USA, als es von dort einkauft – allein 2024 lag der Export­über­schuss bei rund 70 Milliarden Euro. Doch das Geld bleibt nicht in Deutschland: Es fließt über Investitionen zurück in die USA.

Ob Unternehmensbeteiligungen, Aktienkäufe oder Direkt­investitionen: Deutsche Unternehmen wie Adidas, BASF, Bayer, Bosch, SAP, Schüco, DB Schenker oder Volkswagen sind tief im US-Markt verankert. Die Vereinigten Staaten sind inzwischen das wichtigste Zielland deutscher Direkt­investitionen: Mit 506 Milliarden US-Dollar investierten deutsche Unternehmen im Jahr 2024 mehr als doppelt so viel in die USA, wie umgekehrt aus den USA nach Deutschland fließt. Ein wesentlicher Grund ist, dass Reinvestitionen vor Ort die Handels­beziehungen stärken und Arbeitsplätze schaffen. Weil ein Teil der deutschen Export­gewinne in die US-Wirtschaft zurück­fließt, wird das amerikanische Handels­defizit teilweise ausgeglichen.

Wie Deutschland auf die US-Zollpolitik reagiert

Seit Anfang 2025 setzt die US-Regierung internationale Unternehmen und Regierungen unter Druck: Sie droht mit hohen Zöllen und fordert, dass mehr Produktion in die Vereinigten Staaten verlagert wird. Dahinter steckt der Plan, das chronische Handels­defizit zu verringern und die heimische Industrie zu stärken. Weltweit sorgt das für Unruhe, sodass Regierungen und Unternehmen nach Lösungen und Alternativen suchen.

Aufgrund des Regierungs­wechsels im Januar 2025 blieb lange unklar, wie die USA ihre Zollpolitik gegenüber EU-Waren gestalten würden. Ende Juli 2025 kam dann Bewegung in die Sache: Die EU und die USA verständigten sich auf eine vor­läufige Absichts­erklärung. Für viele europäische Produkte – darunter Autos, Autoteile, Halbleiter und Pharma­zeutika – gilt nun ein maximaler Einfuhr­zoll von 15 Prozent in die USA. Das ist nur halb so viel wie die 30 Prozent, die Präsident Trump zuvor als Druck­mittel angedroht hatte. Für Stahl und Aluminium bleiben die Zölle vorerst bei 50 Prozent. Die EU ihrerseits erhebt keine neuen Zölle auf Waren und Dienst­leistungen aus den USA.

Die deutsche Industrie hat bereits reagiert: So verlagert etwa Mercedes-Benz die Produktion des neuen SUV GLC ab Ende 2027 von Bremen nach Alabama, um einerseits Zölle zu umgehen und gestiegene Kosten nicht an Kundinnen und Kunden weiter­zu­geben. Anderer­seits ist die Nachfrage nach dem GLC auf dem US-Markt stark gestiegen, was eine Produktion vor Ort sinnvoll macht. Auch andere Hersteller wie Volkswagen denken über ähnliche Maßnahmen nach. Kurz­fristig ist dieser Schritt betriebs­wirtschaftlich sinnvoll, doch lang­fristig besteht die Gefahr, dass dadurch Arbeits­plätze und Know-how in Deutschland verloren gehen.

Neue Wege im globalen Handel

Politisch setzt Deutschland auf eine Doppelstrategie: Einerseits soll der EU-Binnen­markt gestärkt werden, anderer­seits prüft die Bundes­regierung neue Handels­abkommen – etwa mit den Mercosur-Staaten in Südamerika und mit Ländern im pazifischen Raum wie Japan im Rahmen des CPTPP-Abkommens. Auch eine engere Zusammen­arbeit mit Kanada im Rahmen des CETA-Abkommens steht zur Diskussion. Ziel ist es, neue Märkte zu erschließen und die Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern.

Neben neuen Handelsabkommen setzt die Bundes­regierung auf wirtschaftliche Modernisierung, etwa durch gezielte Investitionen in Digitalisierung, Infrastruktur und Energie. Ziel ist es, den Standort Deutschland für Unternehmen jeder Größe zukunfts­fähig zu machen. Laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung) müssen diese Maßnahmen jedoch durch Reformen begleitet werden. Dazu gehören schnellere Genehmigungs­verfahren – etwa für den Bau von Verkehrs­wegen und Energie­anlagen –, eine digitalisierte Verwaltung und Strategien gegen den Fach­kräfte­mangel.

econo=me Wettbewerb 2025/26

Bei der elften Runde des econo=me Wettbewerbs 2025/26 geht es um das Thema „Was ZOLL das? Wir und der Welthandel“.

Welche Auswirkungen haben Zölle und Handels­beschränkungen auf unser Leben? Wie können wir darauf reagieren – als Konsumentinnen und Konsumenten, Erwerbs­tätige oder Unternehmerinnen und Unternehmer? Womit müssen wir zukünftig rechnen?

Mit einer Teilnahme am econo=me Wettbewerb lernen die Schülerinnen und Schüler wirtschaftliche Zusammen­hänge zu verstehen, vertiefen ihr Fach­wissen und stärken gleich­zeitig ihre sozialen sowie digitalen Kompetenzen.

Der Einsendeschluss für den econo=me Wettbewerb ist am 27. Februar 2026. Nach Sichtung der Beiträge durch die Jury, werden die teilnehmenden Lehrkräfte bis Ende Mai 2026 über die Ergebnisse informiert. Die Preisverleihung findet am 24. Juni 2026 in Köln statt, wo die Flossbach von Storch Stiftung die fünf besten Beiträge aus den Sekundar­stufen I und II auszeichnet.

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