ZEIT für die Schule
Eine Lehrerin steht im Klassenraum vor ihren Schülerinnen
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Diese Kolumne wird ein wenig anders als die anderen. Normalerweise antworte ich hier bestmöglich auf eine Frage, die mir gestellt worden ist, und bleibe dann durchgehend beim Thema. Dieses Mal ist mir aufgefallen, dass es eine Frage gab, die mit allen anderen zu tun hat. Das ist großartig, denn es bedeutet, dass ich zumindest kurz auch auf die anderen eingehen kann. Diese übergeordnete Frage lautete: Wie schaffe ich es als Lehrkraft, mich von Tag zu Tag weiterzuentwickeln?

Die einfachste Antwort ist: gar nicht. Aber das soll nicht negativ sein. Echte Weiterentwicklung braucht Zeit. Aus meiner Sicht gibt es dabei drei Phasen: Bewusstwerdung, Reflexion und Umsetzung. Bewusstwerdung heißt, überhaupt zu erkennen, dass es sich lohnt, etwas zu tun. Reflexion bedeutet, im Status Quo die Möglichkeit für Weiterentwicklung zu sehen, sei es als Team oder Individuum. Und Umsetzung – nun, eben zu versuchen, danach zu handeln. Und da muss man sich Zeit lassen.

Demokratie muss in Schulen spürbar werden. Wie schaffen wir Lehrkräfte es, endlich an einem Strang zu ziehen?

Dies ist ein typischer Fall dafür, dass es hier bereits an dem ersten Schritt mangelt. Vielen ist nicht bewusst oder sie bestreiten, dass in Schulen demokratische Strukturen nötig sind. Deshalb sollte man hier auch jemand von außen holen, der die Autorität und die Expertise hat, dies deutlich zu machen. Dass Lehrkräfte an einem Strang ziehen, ist aber die schwierigste aller Aufgaben und erfordert eine kompetente, willige Schulleitung. Je nachdem, in welcher Entwicklungsstufe die Schule ist, geht es also erst mal darum, dass alle das Problem fehlender demokratischer Prozesse anerkennen.

Was mache ich, wenn Schüler:innen Regeln im Unterricht einfach ignorieren und ich das Gefühl habe, ständig hinterherzulaufen?

Auf sie zugehen. Dies ist ein typisches Beispiel für etwas, das ich auch erst lernen musste. Wenn Schüler renitent sind, ist das Erste, was man denkt, dass man reagieren sollte. Man reagiert aber oft auf ein Verhalten, ohne die emotionale Grundlage dieses Verhaltens zu kennen. Darunter liegt dann oft ein fehlendes Grundbedürfnis. Nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, dass man den Schülern alles nachsieht oder durchgehen lässt, sondern auf sie zugeht und fragt: Wie ist das gerade für euch? Habt ihr das Gefühl, gut lernen zu können? Wenn nicht, was könnte ich tun, dass es besser geht? Und was ihr? Ich glaube, das wird oft vernachlässigt. Man zeigt sich verletzlich, öffnet sich aber auch für die Meinungen der Schülerinnen und Schüler.

Wie bringe ich Medienkompetenz unter, wenn ich gleichzeitig den vollen Lehrplan durchbekommen muss?

Hot Take: indem du dich erst mal davon verabschiedest, alles „durchbekommen“ zu müssen. Das schafft man doch eh nicht, oder? Dann guckt man schnell vor den Sommerferien einen Film und tut so, als wäre man „durch“. Nein, wir müssen mutig sein, Prioritäten zu setzen. Klar, manche Themen müssen behandelt werden, weil später darauf aufbauende Abschlussprüfungen kommen. Aber keiner merkt es, wenn man das eine oder andere Kapitel ganz schnell abhandelt oder sogar auslässt. Davon abgesehen: Viele medienpädagogische Zugänge können auch mit dem Lehrplan verbunden werden. Dieses Thema wäre aber eine ganz eigene Kolumne.

Wie gehe ich damit um, wenn Eltern meine pädagogischen Entscheidungen ständig hinterfragen und ich mich rechtfertigen muss?

Ich glaube nicht, dass es die eine Lösung gibt. Allerdings würde ich an der Stelle erst mal sagen: Rechtfertigen muss du dich gar nicht. Und das wiederum kannst du auch schreiben, allerdings mithilfe von KI. Warum? Weil es gefährlich sein kann, wenn du wütend bist. Vielleicht kannst du es auch ohne, aber herauskommen sollte so etwas wie: „Guten Tag, herzlichen Dank für Ihre Nachfrage, mich freut es, dass es Sie interessiert. Hier sind die pädagogischen Gründe …“ Mit anderen Worten: Hand reichen, aber klarmachen, dass das schon durchdacht ist.

Und damit kommen wir wieder zur Weiterentwicklung: In jeder der Fragen geht es ums Bewusstsein, manchmal kollektiv (wir müssen was für Demokratie machen), manchmal das persönliche (es gibt ein Problem mit Stofffülle, Medienkompetenz, Eltern). Das, was ich von außen anbiete, sind Impulse.

Die Reflexion könnte nun, beispielhaft, sein, dass die fragende Person sagt: Okay, dann schaue ich, was ich stofflich weglassen kann. Und dann wird das gemacht und geschaut, ob die Welt untergeht. Oder ob, was ich eher sehe, alles beim Alten bleibt, die Schüler Medienkompetenz lernen und keiner danach fragt, ob man die eine Übung auf Seite 117 übersprungen hat.

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Bob Blume ist Lehrer, Autor, Podcaster und Bildungs­­influencer. Er studierte Germanistik, Anglistik sowie Geschichte und arbeitet nun als Ober­studien­­rat an einem Gymnasium in der Nähe von Baden-Baden. Zudem ist Bob Blume ein gefragter Experte in der deutschen Medien­­land­schaft zum Thema Schule, schreibt Kolumnen bei t-online und Gast­beiträge für den Spiegel. Bei der Verleihung der Goldenen Blogger 2022 wurde er als Blogger des Jahres aus­gezeichnet. Sein Buch „Warum noch lernen?“ wurde kurz nach Erscheinen zum SPIEGEL-Bestseller.

Bob Blume
© Axmann Rottler