ZEIT für die Schule
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Die Stunde ist gut vorbereitet, und das Thema steht. Aber gelingt es auch, möglichst viele Schülerinnen und Schüler wirklich einzubinden? Aktivierender Unterricht muss nicht kompliziert sein. Rodrigo Fernandez und Harald Schwiewagner zeigen in ihrem Ratgeber „287 Schul-Hacks“, wie sich mit einfachen Methoden die Beteiligung steigern lässt. Die Formate lockern vertraute Abläufe auf, fördern den Austausch und berücksichtigen unterschiedliche Lernbedürfnisse. Die folgende Auswahl stellt einige dieser praxiserprobten Ansätze vor.

Ins Gespräch kommen: die Murmelphase

In der Murmelphase tauschen sich Schülerinnen und Schüler zunächst zu zweit über eine konkrete Frage oder einen Impuls aus – etwa: „Was wisst ihr noch aus der letzten Stunde?“ oder „Welche drei Punkte nehmt ihr aus dieser Stunde mit?“.

Schon wenige Minuten reichen, um Gedanken zunächst im kleinen Rahmen zu ordnen und dann vor der Klasse zu äußern. Ein klarer Arbeitsauftrag gibt dem Gespräch Struktur und erleichtert auch zurückhaltenderen Schülerinnen und Schülern, eigene Antworten zu formulieren.

Lernen in Bewegung: Marktplatz, Kugellager und High 5

Bewegung lockert den Unterricht auf und bringt neue Gespräche in Gang. Beim Marktplatz bewegen sich Schülerinnen und Schüler frei durch den Raum und wechseln zwischen verschiedenen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern. Dabei sammeln sie Informationen zu einer Fragestellung, tauschen Meinungen aus oder erklären sich Inhalte gegenseitig.

Beim Kugellager bilden die Schülerinnen und Schüler einen Innen- und einen Außenkreis und stehen sich paarweise gegenüber. Auf ein Signal rückt der Innenkreis eine Position weiter, sodass immer wieder neue Gesprächspaare entstehen. Diese Methode eignet sich, um Begriffe zu erklären, Rechenaufgaben abzufragen oder Argumente auszutauschen. Kleine Kärtchen mit Impulsen geben der Übungsphase eine klare Struktur.

Bei High 5 bewegen sich die Kinder mit Aufgabenkarten zu Musik durch den Raum. Stoppt die Musik, bilden jeweils zwei Personen ein Paar, klatschen sich ab und stellen einander ihre Aufgaben. Musik und Bewegung geben dem Format seinen Rhythmus.

Ideen sammeln und Argumente abwägen: Blätter wandern und Herzblatt-Methode

Bei der Methode Blätter wandern notieren die Schülerinnen und Schüler zunächst eigene Ideen auf einem Blatt und geben es weiter. Die nächste Person liest, ergänzt oder entwickelt den Gedanken weiter. So entsteht ein gemeinsames Arbeitsergebnis, das über erste Einzelgedanken hinausgeht – etwa zur Texterschließung oder zur Vorbereitung einer Diskussion. Für mehr Struktur lässt sich das Blatt in Felder unterteilen: Jede Person macht sich zunächst in einem Außenfeld Notizen, anschließend fasst die Gruppe zentrale Punkte in der Mitte zusammen.

Sollen unterschiedliche Positionen sichtbar werden und Argumente abgewogen werden, eignet sich die Herzblatt-Methode. Die Lernenden notieren zu einer Frage jeweils fünf Argumente auf Karten und ordnen sie nach ihrer Relevanz. Die drei stärksten Karten behalten sie, die beiden anderen geben sie an die Person links von sich weiter. So hat jeder wieder fünf Karten, die er oder sie wiederum nach Wichtigkeit ordnet. Eigene Top-Argumente können durch überzeugendere ersetzt werden. Nach mehreren Runden legt die Gruppe ihre wichtigsten Argumente zusammen, prüft Doppelungen und einigt sich auf eine gemeinsame Auswahl.

Diskutieren und Perspektiven wechseln: Fishbowl und Standbilder

Nicht jede Diskussion muss mit der ganzen Lerngruppe gleichzeitig beginnen. Bei der Fishbowl-Methode diskutiert zunächst eine kleine Gruppe von vier oder fünf Schülerinnen und Schülern über eine Frage oder These. Die übrige Klasse sitzt im Kreis darum, hört zu und macht sich eigene Gedanken. Ein freier Stuhl im Innenkreis erlaubt es Zuhörenden, sich in die Diskussion jederzeit einzubringen. Sobald eine weitere Person Platz nehmen möchte, verlässt die vorherige den Gaststuhl wieder.

Eine andere Form des Perspektivwechsels ermöglicht die Methode Standbilder. Schülerinnen und Schüler gestalten mit Körperhaltung, Mimik und ihrer Position im Raum eine Szene, ein Thema oder einen Konflikt – ganz ohne zu sprechen. Anschließend beschreibt und interpretiert die Klasse das Bild. Die Beteiligten erläutern ihre Überlegungen. So lassen sich auch abstrakte Themen und unterschiedliche Sichtweisen anschaulich erschließen.

Neue Methoden Schritt für Schritt erproben

Wer eine neue Methode ausprobiert, muss nicht gleich das gesamte Repertoire umstellen. Oft genügt es, ein oder zwei Varianten wiederholt einzusetzen. So werden die Abläufe für Schülerinnen und Schüler vertraut und lassen sich später leichter variieren. Eine kleine Methodenkartei hilft, gelungene Ideen festzuhalten und schnell wieder aufzugreifen.

Ausführliche Beschreibungen der Methoden und weitere Anregungen bietet der kostenlose Leitfaden „Lehrmethoden, die funktionieren – Ideen für guten Unterricht“.